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MÜGGELSEE UND FRIEDRICHSHAGEN AKUT VON JET-ÜBERFLÜGEN BEDROHT !

© Johannes Großer


Am 28. März stimmte die Fluglärmkommission (FLK) bezüglich der Abflugrouten am zukünftigen BBI über "eindeutige Empfehlungen" an die Deutsche Flugsicherung (DFS) ab.
Graphiken in der Presse vermittelten den Eindruck, die von BBI startenden Jets würden nun nicht mehr über den Müggelsee und den Ostteil von Friedrichshagen fliegen, sondern auf längerer Strecke geradeaus bis Erkner und dann gen Westen.
Doch die Graphiken der Abflugrouten, die viele besorgte Gemüter beruhigten, trügen.

Wie inzwischen von offilzieller Seite bestätigt wurde, ist die für die Müggelseeregion entscheidende Geradeausroute für Starts von der östlichen Nordbahn von der FLK nur bis zu einer Flughöhe von ca. 1.500 m – und nicht bis Erkner – festgelegt worden.

Auf der FLK-Sitzung am 11. April soll über den weiteren Verlauf dieser Route abgestimmt werden. Die Streckenführung der Jets über Müggelsee, Wasserwerk und Forst könnte dabei favorisiert werden: Eine Route, die – neben drei anderen Alternativen, die den Müggelsee nicht betroffen hätten – seit dem 14. Februar ernsthaft in Betracht gezogen wurde (s.u. Ausführungen zur DFS Präsentation vom 28. März).

Ganz Treptow-Köpenick ist einzig und allein durch Stadtrat Schneider in der FLK vertreten. Bei Abstimmungen in der Kommission kann er den Stimmen der Vertreter der vielen eigenständigen, meist kleinen Kommunen südöstlich der Berliner Landesgrenze kaum etwas entgegensetzen.

Um die FLK-Empfehlung der Müggelsee-Route zu verhindern, gilt es, bis zum 11. April alle Hebel in Bewegung zu setzen und wirkungsvollen, lautstarken Protest für den Erhalt der Müggelseeregion als Erholungsgebiet für ganz Berlin zu erheben.

Würde das Votum der FLK pro Müggelsee-Route fallen, könnte der Umstand, dass deren Empfehlungen nicht endgültig bindend sind und auch Anflugrouten noch ausdiskutiert und abgestimmt werden müssen, vielleicht noch zum Hoffnungsschimmer werden. Der Entscheidungsprozess über die Festlegung der Routen wird zudem weitere Instanzen durchlaufen und erst 2012 in – mehr oder weniger endgültige – Festlegungen durch die Bundesbehörden (Bundesministerium für Verkehr und Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung) münden.

Auf diesen Prozess kann dann nur noch Einfluss genommen werden durch weitere öffentliche Proteste, das Vorbringen von Einwänden an entscheidenden Stellen oder den Anschluss an bestehende Gruppen, die gerichtlich gegen die Täuschung der Öffentlichkeit durch das Planfeststellungsverfahren und/oder den unabhängigen Parallelbetrieb auf den Pisten vorgehen wollen, denn die Protestbewegung in Brandenburg und Berlin richtet sich inzwischen gegen den – vom Planfeststellungsbeschluss nicht mehr abgedeckten – aber von der Wirtschaftslobby favorisierten Ausbau von BBI zu einem internationalen Großdrehkreuz, mit weitaus höherer Anzahl der Flüge und damit kaum kontrollierbaren Belastungen für die gesamte Region.

Viele Friedrichshagener haben bereits Bereitschaft zum Protest angezeigt und Einwände gegenüber dem Bezirksamt vorgebracht.
Gemeinsam mit der Werbegemeinschaft hat sich der Bürgerverein Friedrichshagen an Institutionen, Verbände, Vereine sowie an Vertreter der Politik und Verwaltung auf Bundes-, Landes und Bezirksebene gewandt und Unterstützung für die Müggelseeanwohner, für den Erhalt der Müggelseeregion als geschütztem und weiterhin schützenswertem Landschafts-, Erholungs- und touristischem Entwicklungsraum erbeten und gefordert.
Noch am 22. März brachte Stadtrat Schneider in die FLK den Antrag ein: „Die vorgestellten Flugrouten sind für den Bezirk Treptow-Köpenick (besonders in der Neubelastung von Friedrichshagen) nicht hinnehmbar und deshalb nochmals zu verändern.“ Ob sich dieser Antrag innerhalb der 39 köpfigen Kommission durchsetzen wird, ist die große Frage.

Das Gebot der Stunde ist, gegen das Überfliegen des Müggelsees möglichst öffentlichkeitswirksam zu protestieren, zu demonstrieren, und auf Landes- und Bundesebene für den Schutz der Region zu plädieren.

Eine erste Aktion soll möglichst schon am 9. April stattfinden (Bitte auf Meldungen im "Schirm" und Aushänge achten).

Damit sich in Friedrichshagen eine Aktionsgruppe gegen Flugrouten über den Müggelsee formieren kann, sind alle pro Müggelsee Engagierten eingeladen zu einem Informations- und Austausch-Treffen am 12. April, 19 Uhr, in der Evangelischen Grundschule, Peter-Hille-Straße 36.


Nachrag zu den Empfehlungen der FLK:

Für die östliche Südbahn wurden zwei Streckenführungen empfohlen: Einerseits die "scharfe Südkurve", nach der die Flugzeuge direkt nach dem Abheben gen Süden abbiegen. Andererseits sollen Jets, die nach Osten fliegen, und größere Maschinen, die die Südkurve nicht leisten können, geradeaus fliegen.
Letzteres bedeutet, von beiden Bahnen soll auch zeitgleich parallel geradeaus abgeflogen werden. Dieser längere synchron-parallele Geradeausflug zweier Jets, genannt „Münchener Modell“, entspricht jedoch nicht internationalen Sicherheitsstandards. Aus diesem Grund stimmte die DFS, die den Geradeausflug auf der Südbahn auch nicht für erforderlich hielt, diesem Vorschlag vorerst nicht zu.
Ob das „Münchener Modell“ im BBI-Betrieb realisierbar ist, soll jetzt durch ein Gutachten geprüft werden, das – so es denn positiv ausfällt – die Basis für die Beantragung einer Ausnahmegenehmigung beim Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) abgeben kann.

Fällt die Prüfung negativ aus, könnte die Diskussion um die Routen gen Osten möglicherweise rundum neu beginnen, denn der Betrieb auf der Nordbahn ist - trotz oder gerade wegen der abgestrebten Unabhängigkeit der Betriebsabläufe auf beiden Pisten - letztlich abhängig von den Bewegungen auf der Südbahn.

Bei allen Empfehlungen und Festlegungen, von welcher Seite auch immer, muss mit bedacht werden, dass Piloten die Möglichkeit haben, ab einer Höhe von 1.500 Metern eine Freigabe zu beantragen, d.h. sie können nach einer Freigabe die ihnen genehme Strecke ohnehin selber wählen.

- sis -

BBI-FLUGROUTEN

Präsentation der Deutschen Flugsicherung (DFS) zur 74. Sitzung der Fluglärmkommission (FLK) am 28. März 2011


Die Präsentation der DFS sowie einzelne Seiten/Karten in höherer Auflösung und weitere flugroutenrelevante Dokumente können heruntergeladen werden unter:
www.mil.brandenburg.de/sixcms/detail.php/484669

Die für die Müggelseeregion entscheidenden Routenvorschläge für Jets, mit dem eigentlichen Ziel: Westen, die bei Ostwind gen Osten von der Nordbahn starten und anschließend im Bogen Richtung Westen fliegen:

Alternativen 21, 22, 23, 24, 25

... werden in der aktuellen DFS-Präsentation auf den Seiten 17 - 19 und in einer vergleichenden Bewertungsübersicht auf Seite 27 vorgestellt.

Für den Müggelsee und Friedrichshagen bedrohlich sind die Alternativen 21 und 25, wobei die 25 zunächst mit der 21 identisch ist und im Wesentlichen nur die Verlängerung des Geradeausfluges über den Müggelsee nach Norden ist.

Nach Diskussionen über die Alternativen 21 - 24 in der FLK wurde der Routenvorschlag 25 von der DFS erst am 28. März vorgelegt, wohl quasi als "Kompromiss": Keine zu große Flugweglänge, relativ geringer Gütewert und angeblich nicht zu viele Betroffene...

Dass es sich um ein Landschaftsschutzgebiet und eines der größten Naherholungsgebiete für ganz Berlin handelt, spielt dabei nur in negativer Hinsicht eine Rolle, denn wo viel Natur und Ruhe, Wald und Wasser ist, da wohnt ja auch niemand, der betroffen sein könnte.
Neben den offenbar zu vernachlässigenden Friedrichshagenern, wohnt in diesem Fall ein Großteil der Betroffenen in der Stadt.

Das wirkt sich positiv auf den Gütewert der Route aus.


- sis -

Stellungnahme zu den BBI-Flugroutenvorschlägen vom 14. Februar 2011

Gemeinsam mit der Werbegemeinschaft Friedrichshagen e.V. hat der Bürgerverein eine Stellungnahme zu den am 14. Februar vorgelegten Flugroutenvorschlägen der Deutschen Flugsicherung (DFS) verfaßt und diese Stellungnahme mit der Bitte um eine entsprechende Antragstellung in der Fluglärmkommission (FLK) an Herrn Stadtrat Schneider übersandt, der den Bezirk in der FLK vertritt.

Das Schreiben an Stadtrat Schneider kann hier eingesehen werden.

BBI-Flugrouten Ost - Stand vom 14. Februar 2011

Letzte Präsentation der Deutschen Flugsicherung (DFS)

 

Laut Präsentation der DFS (auf der Basis der Anregungen der FLK) vom 14. Februar 2011 ist die Flugroute über Friedrichshagen z.Zt. offenbar nicht weiter in der Diskussion und selbst von den 3 nächstgelegenen alternativen Flugrouten (GERGA) via Schöneiche (Alt 3), Rüdersdorf (Alt 2) bzw. Erkner (Alt 1), stellt Letztere – von den Belastungswerten her – die „günstigste“ Route dar.

Die DFS-Präsentation (relevant sind die Seiten 37-39) kann heruntergeladen werden via:

www.mil.brandenburg.de/cms/detail.php/bb1.c.241671.de?highlight=14.02.2011


Interessant sind ferner die Beiträge der "taz" (u.a. inkl. Link zum DFS-Bericht):

http://taz.de/1/berlin/fluglaerm-bbi/artikel/1/um-die-stadt-herum/

und

http://taz.de/1/berlin/fluglaerm-bbi/artikel/1/der-himmel-auf-dem-reissbrett/

sowie

die aktualisierte interaktive Fluglärmkarte (!):

http://taz.de/1/berlin/fluglaerm-bbi/

 

Da sich das bezirkliche sog. Fuld-Gutachen leider für Flugrouten über den Müggelsee/Friedrichshagen ausspricht, die Festlegung der Abflugrouten noch nicht abgeschlossen ist und zudem die Diskussion der Anflugrouten noch aussteht, wird der Bürgerverein gegenüber Stadtrat Schneider, der den Bezirk in der Fluglärmkommission vertritt, eine Stellungnahme abgeben, die sich begründet gegen das Überfliegen des Müggelsees und Friedrichshagens ausspricht.

- sis -