Der Ort im Spiegel seiner Literaten

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Wer Lesungen oder literarische Vorträge in Friedrichshagen besuchen möchte, findet dafür zahlreiche Orte: den Kiezklub Vital mit seinen "Poeten vom Müggelsee" das Antiquariat Brandel, die Johannes-Bobrowski-Bibliothek, das Café Dresdner Feinbäckerei oder das Bücherzimmer am Müggelsee.


Friedrichshagen wurde 1753 als friderizianische Siedlung für hundert Kolonistenfamilien gegründet und 1920 nach Berlin eingemeindet. Seine Hauptstraße, die Bölschestraße, entwickelte sich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zu einer über den Ort hinaus beliebten Wohn- und Geschäftsstraße und prägt heute einen der markantesten Kieze Berlins.

Aribert Giesche hat auf Basis der Bauakten und zahlreicher weiterer Quellen die Bau-, Besitz- und Nutzungsgeschichte aller 142 Häuser geschrieben und durch Pläne und Ansichten des 19. und 20. Jahrhunderts illustriert. Karl-Ludwig Lange schuf im Frühjahr 1990 und dann noch einmal im Frühjahr 2003, nach dem Vorbild der berühmten Berliner »Lindenrolle«, zwei komplette Fotodokumentationen aller Hausfassaden.

Gebundene Ausgabe: 503 Seiten
Verlag: Lukas Verlag für Kunst- und Geistesgeschichte
Auflage: 1 (29. März 2018)
ISBN-10: 3867322708
ISBN-13: 978-3867322706

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In seinen Erinnerungen beschreibt der Autor die letzten 10 Jahre der DDR aus ganz individueller Sicht.

Im Alter von 31 Jahren frühverrentet, genoss er das Privileg der Reisefreiheit, um ein "Doppelleben" in beiden deutschen Staaten zu führen. Geschickt nutzte er die Lücken zwischen Öffnung und Restriktion, um im DDR-System seine ganz persönliche Freiheit zu finden. Mit Schlitzohrigkeit und DDR-typischem Improvisationstalent betrieb er einen grenzüberschreitenden Oldtimer-Handel, verdiente in diversen Nebenjobs im Westen und machte Reisen in ganz Europa. Eine endgültige Ausreise aus der DDR kam für ihn nie in Frage.

Das Interview zum Buch finden Sie HIER

Taschenbuch: 255 Seiten
Verlag: Brandenburg-Buch (1. August 2015)
ISBN-10: 394554601X
ISBN-13: 978-3945546017

"Das Buch trägt über weite Strecken autobiographische Züge und erzählt aus einer Lebensphase des Autors in den Jahren 1978 – 1991. Diese Epoche des Zeitgeschehens im geteilten Deutschland lässt Alexander Braun in kurzweiliger, episodenhafter Form und mit viel Liebe für Anekdoten wahrhaft aus Ruinen wieder auferstehen. Den schnellsten Zugang zu diesem Buch werden sicher Leser finden, die in dieser Zeit, im Idealfall in der DDR, gelebt haben. Für den Spätsommerabend auf der Terrasse bestens geeignet." (Stefan Mensah)

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Der gebürtige Friedrichshagener Alexander Braun hat nach seinem 2015 erschienen Roman "Legal, illegal,...mir egal" nun in diesem Jahr sein zweites Buch mit dem Titel "Am Sühnekreuz" veröffentlicht.

Erhältlich im Verlag BrandenburgBuch, in der Buchhandlung "lese lieber" in der Friedrichshagener Bölschestraße oder über meine Facebookseite zum Preis von 12,90 Euro (ISBN-Nr.: 978-3-945546-02-4).

Das Interview dazu finden Sie HIER

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In der Edition "DDR-Geschichte – Zeitzeugen" im Osteuropazentrum Berlin-Verlag ist soeben das Buch von Lutz Rackow „Spurensicherung“ - 80 Jahre in deutschen Irrgärten“ erschienen.  Dieses Buch wurde vom Verlagsleiter Herrn Detlef W. Stein in Anwesenheit des Autors am 19. April 2016 in der "Gedenkbibliothek zu Ehren der Opfer des Kommunismus" erstmals vorgestellt.

Der nunmehr 84jährige Autor und Journalist aus Berlin-Friedrichshagen erzählte in beredter und lebendiger Weise Eindrücke und Erlebnisse seines Lebens, die er in kurzweiligen Geschichten in seinem Buch „Spurensicherung“ für die Nachwelt festgehalten hat. Die in 48 mehr oder weniger umfangreichen Kapiteln zusammengefassten Geschichten spannen einen weiten zeitlichen Bogen: reichen von Vorkriegszeit über Kriegserlebnisse, Nachkriegszeit, 17. Juni 1953, Mauerbau bis hin zum Zusammenbruch des Kommunismus und der Nachwendezeit.

Vieles Erlebte ist mit seinem Geburtsort Friedrichshagen verbunden bzw. als Zeitgeschichte aus dieser Stadtrandperspektive von ihm beobachtet worden. Ein unterhaltsames, spannendes Buch, dessen überwiegend historisch-politischen Episoden nicht nur für Alt-Friedrichshagener oder neu hinzugezogene sehr geeignet sind, um Erinnerungen aufzufrischen oder Dinge zu erfahren, die in keiner Ortschronik verzeichnet sind.

Rackow konserviert in seinem Buch Berliner Geschichte aus seinem ganz persönlichen Blickwinkel. Die Verarbeitung in einzelnen Episoden ermöglicht dem Leser den Einstieg ins Buch an ganz individueller Stelle, ohne den Faden zu verlieren, vielmehr Interesse weckend für weitere Kapitel. Diese Abgeschlossenheit der Episoden prädestiniert das Buch auch als begleitende Literatur für den Geschichtsunterricht der Oberstufe deutscher Gymnasien, wie sie Dank einer Stiftung in 500 Exemplaren bereitgestellt wurde.
 
Der Zuhörerkreis in der Gedenkbibliothek erfuhr von den unterschiedlichsten Schwierigkeiten des Autors, einen Verlag für sein Manuskript zu finden. Zum einen hatten linke Verlage Probleme mit seiner Bezeichnung „DDR-Administration“ oder man schätzte das Interesse des Lesers an Zeitgeschichte als zu gering ein bzw. wollte seine frühesten Erinnerungen wegkürzen. Ein Grund mehr, diese genauer zu lesen, um zu erfahren, welchen Teil der Geschichte Verlage heute lieber nicht publik machen.

Erwähnenswert ist auch die Tatsache, dass der Schüler Rackow im Herbst 1944 aus der Schule geschmissen wurde, weil er begann, das „Jungvolk“ differenzierter zu sehen und seine im Wald gesammelten Flugblätter, die englische Bomber im Krieg abwarfen, in der Schule zu tauschen versuchte. Er verschweigt auch nicht, dass sich unter den Flugblättern der letzten Kriegsmonate keines mit Angaben zu NS-Konzentrations- oder Vernichtungslagern fand, obwohl Auschwitz bereits Ende Januar 1945 befreit wurde. Auch andere Zeitzeugen bestätigen, dass eine Berichterstattung darüber im Auslandsrundfunk seltsamerweise erst nach dem 8. Mai erfolgte. In der Nachkriegszeit flog er erneut aus der Schule, wieder weil er seine eigene Position vertrat bzw. blinde Unterordnung kritisierte. Nach dem Abitur an einer anderen Schule arbeitete er für die Zeitung der LDP „Der Morgen“, beobachtete als junger Reporter die Ereignisse des Volksaufstandes 1953 und die Schauprozesse der roten Hilde Benjamin.

Seine Tätigkeit als Wirtschaftsredakteur gab er zugunsten eines Studiums an der TU in West-Berlin auf. Dieses Studium als Ostberliner sei durch den Vier-Mächte-Status gedeckt gewesen, so Rackow. Die drei Semester des humanistischen Grundstudiums bezeichnete er als sehr hilfreich für seine weitere Entwicklung, obwohl dieses Studium später der Grund für seine Entlassung aus dem DDR-Fernsehen 1962 wurde.

Rackow riss im Gespräch einige Themen seines Buches an, ohne den Ausgang vorweg zu nehmen. Er erzählte auch, dass man vor dem Mauerbau als Ostberliner für 50 Pfennige (Ost) den eine Woche alten „Spiegel“ am Zeitungskiosk in Westberlin kaufen konnte.

Außerdem berichtete er von Anhaltspunkten, die seiner Meinung nach auf einen geplanten Mauerbau hinwiesen wie beispielsweise 1951 der teure Ausbau des „ParetzNiederneuendorfer-Kanals“, um Westberlin „zonenseitig“ zu umgehen. Der Ausbau der Südumfahrung, für den es damals eigentlich keinen verkehrstechnischen Bedarf gab, galt ebenso als Hinweis auf einen Mauerbauplan wie die mobilen Kontrollstellen auf der Autobahn zum Berliner Ring. Außerdem wurde 1960 der Bahnhof Friedrichstraße zum Kopfbahnhof ausgebaut.

Durchaus ein wenig stolz berichtete Rackow, dass er ohne Parteizugehörigkeit oder Mitarbeit bei der Stasi als freier Journalist im SED-Staat tätig war. Dazu gehörte aber auch, keinen offenen Widerstand zu leisten. Er nutzte seine Möglichkeiten mit viel Erfindungsgeist aus, bearbeitete unpolitische Themen wie KFZ, Touristik und Wassersport, veröffentlichte unter 8 Pseudonymen ca. 10.000 Artikel. 

Seine Broschüre „FKK zwischen Ostsee und Vogtland“, die Idee eines ehemaligen NVA-Offiziers und Cheflektors, wurde zum Verkaufsschlager und gab es nur unterm Ladentisch, dabei wurden in sechs Auflagen sogar 650.000 Stück zugebilligt. Kein Wunder, dass mancher Ostler diese Broschüre noch nie zu Gesicht bekommen hatte und das vom Autor mitgebrachte Exemplar ebenso wie die Westler unter den Zuhörern bestaunte. Verwunderlich ist es schon, dass die prüden Genossen diese zahlreichen FKK-Bilder in jeder Ausgabe durchgehen ließen, wo sonst keinerlei Aktphotographien, geschweige denn pornographische Ablichtungen veröffentlicht wurden. Eine Nacktaufnahme je „Magazin“ war den Werktätigen noch vergönnt, doch auch das „Magazin“ gab es nicht ausreichend für alle Interessenten. Nur für das Parteiorgan „Neues Deutschland“ war das Papier nicht knapp im Arbeiter- und Bauernstaat.

Lesenswert ist Rackows Buch auf jeden Fall, finden sich darin doch Berichte, die man dergestalt noch nie vernahm. So waren es beispielsweise Rotarmistinnen, die in vorderster Linie am Müggelseedamm in Friedrichshagen kämpften: „...stabile Mädels, ohne Helme, mit kurzen Wattejacken und mittellangen Röcken, Langschäftern, Patronengurte um die Taille gewickelt.“ Auch die Vergewaltigungen deutscher Frauen durch die Russen oder willkürliche Verhaftungen  mit anschließender Deportation wie im Kapitel „Einfach vom Straßenrand mitgenommen ...“ verschweigt er nicht.

Gespannt darf man auch auf die Reaktion heutiger Oberschüler sein, die sich mit seinem Resümee der Abiturzeit auseinandersetzen könnten: „Diese Schule hat uns zu geschickten Heuchlern erzogen!“ Leider muss man feststellen, dass die Antwort des damaligen Pädagogen: „Da sind Sie auf das Leben, das ihnen bevorsteht, ja bestens vorbereitet.“, heute bereits wieder Realität ist.

Rackow widmet sich in seinem Buch auch dem „ökonomischen Dauer-Chaos“ der sozialistischen Produktion, ruft markige Losungen wie “Überholen, ohne einzuholen“ ins Gedächtnis zurück, woraus der Volksmund machte: „Untergehen, ohne abzusaufen.“ Ohne selbst Einsicht in die Verhältnisse im sozialistischen Produktionsbetrieb erlangt zu haben, beschreibt er treffend das Ausmaß des Verfalls von Betrieben und der Infrastruktur und benennt das Grundübel:
 
„Es herrschte ja das „Grundgesetz des Sozialismus“ als apologetisches Generalargument für den uneingeschränkten Machtanspruch über alles und jedes. Aber bekanntlich sind Ideologien bisher noch immer an Realitäten gescheitert. Doch eben leider nur selten sofort.“
  
„Deutsche Irrgärten“, wie der Autor sein Buch untertitelt, haben jedoch seit dem Jahr 2000 ein Ausmaß angenommen, wie man es sich zu Erichs Zeiten für den freien Teil Deutschlands nicht vorstellen konnte.
                                                
Rose Salzmann