Vom Wilhelmsbad zum Seebad Friedrichshagen – Ein Tauchgang in die Geschichte

Das Wilhelmsbad

Ackerland erstreckte sich 1870 beiderseits des kleinteilig bebauten Anwesens, das die westliche Hälfte des heutigen Seebades einnahm. Im Zuge des urbanen Wandels und des Aufstiegs Friedrichshagens zum offiziellen Seebad wurde das Seeufer jedoch rasch besiedelt. Auf besagtem Grundstück entstand um 1888 eine stattliche Villa, in der sich eine Gaststätte mit Gartenrestauration, das „Wilhelmsbad“, etablierte. Bereits 1896 Gründungsstätte des Schwimmklubs „Wildente“, war es später auch Festlokal des Schwimmklubs „Müggelsee 1900“. Das „Wilhelmsbad“ entwickelte sich zu einem populären Vergnügungsort, der im separaten Saalbau zudem Raum für Theateraufführungen und Großveranstaltungen bot.

1898 fand z.B. das satirische Konzert der „Freien Friedrichshagener Johannistriebsgenossenschaft mit beschränkter Musikpflicht“ statt, mit anschließendem Puppenspiel als Kartoffelkomödie, zu dem Gustav Landauer den Freund Fritz Mauthner einlud.

Die Badeanstalt


1900 gab der „Raucher-Club Blaue Wolke“ ein vergnügliches Fest mit Konzert und Ball.
Ärztlich empfohlenes Keulenschwingen und Boxen wurde 1902  vom „Keulen- und Boxerclub“ geboten.
Ab 1907 traf sich dort auch der vielseitige Verein „Felsen“, denn der Garten am See eignete sich für Spiele und der Wirt sorgte dafür, „daß allen berechtigten Wünschen des ‚Felsen in liberalster Weise‘ Rechnung getragen wird…“

Neben Anlegern für Dampfer und Boote wartete das „Wilhelmsbad“ auch mit einer Herren- und Damenbadeanstalt auf, die bei zunehmender Popularität des freien Schwimmens wohl gut ausgelastet war. Angeblich übernahm die Gemeinde 1913 diesen Badebetrieb, doch alte Pläne zeigen, eine eigene Gemeinde- und später Städtische Badeanstalt wurde zunächst auf dem östlichen Nachbargrundstück errichtet.
Erst nach dem Tod des letzten Eigentümers des einstigen „Wilhelmsbades“ 1929/30 ging das Anwesen in den Besitz der Stadt über. Die Uferabschnitte beider Grundstücke wurden daraufhin zu einem neuen öffentlichen Seebad auf großzügigem Areal zusammengefasst.
Nach dem Krieg erfolgte die Geländegestaltung mit Stufenanlagen, wie sie heute noch bestehen.

Alte Halle
Neue Halle

Das Anwesen „Wilhelmsbad“ erlebte viele bauliche Veränderungen. Strukturen der 1909 eingeweihten Restaurationshalle sind noch heute am Gebäude der Umkleidekabinen erkennbar.

Franz Brumme, ab 1910 Eigentümer, taufte das Restaurant in „Müggelsee-Casino“ um und baute u.a. 1924 eine weitere Halle, deren Rundbogenöffnungen noch jetzt den Bauteil prägen, der erst kürzlich Fenster erhielt.

Der heutige Imbiß ist wohl der älteste Bau des gesamten Ensembles. Zu Brummes Zeiten schloss sich hier gen Müggelsee sogar noch eine Kegelbahn an.

Text und Fotos: Sigrid Strachwitz